Der Gropius-Drücker und andere Türklinken der Moderne

Die Solinger Türschliesser-Fabrik Horsch & Kasten

Firmengeschichte

Die Solinger Türschliesser-Fabrik Horsch & Kasten ist 1919 von Max Horsch und Friedrich Kasten in der seit 1929 zu Solingen gehörenden Stadt Wald gegründet worden. Neben der Herstellung von Türschliessern hatte sich Horsch & Kasten, die unter dem Markennamen „Sotu“ produzierten, auf gusseiserner Tür- und Fensterbeschläge spezialisiert. Die Firma hat mindestens bis in die späten 1960er Jahre existiert.

Beschläge der Gropius’schen Form

Mindestens ab 1930 produzierte Sotu Gropius-Drücker und dazugehörige Fensteroliven in jeweils vier verschiedenen Größen. Interessant ist dabei, dass die Drücker und Oliven anfangs mit dem ausdrücklichen Hinweis „Entwürfe Prof. Gropius“ angeboten wurden. Dies lässt darauf schließen, dass die Firma dazu auch autorisiert war. Eventuell gibt es hier einen Zusammenhang mit der ebenfalls in Solingen ansässigen Metallwarenfabrik Ernst Wagener, die 1926 im Auftrag von Gropius u.a. die eisernen Türdrücker für das Bauhausgebäude in Dessau lieferte. Wagner selbst bot in seinen Katalogen aber keine eisernen Beschläge an!

Neben dem Gropius-Drücker wurden Mitte der 1930er Jahre auch die beiden Varianten der Frankfurter Normendrücker und die entsprechenden Oliven angeboten. Allerdings fehlen zu dieser Zeit bereits die Hinweise auf die Urheber der Entwürfe. Als einziger Hersteller bot Sotu eine klappbare Variante des Gropius-Drückers für Doppeltüren an, bei der der Griff über ein Gelenk nach unten geklappt werden konnte. In Kombination mit Gusseisen bilden auch die für den Gropius-Drücker lieferbaren farbigen Kunsthorngriffe in schwarz, braun, rot und mehrfarbig gemaserten Mischungen ein Novum. Die Verwendung von Kunsthorn war sonst nur bei Messingguss-Drückern üblich.

Die Gropius-Drücker wurden größenabhängig unter den  Modellnummern 260 bis 265 angeboten, wobei  die Ausführungen mit farbigen Kunsthorngriffen mit 2000 bis 2005 unter eigenen Modellnummern gelistet waren. Die Gropius-Fensterolive hatte unabhängig von der Größe die einheitliche Modellnummer Nr. 504.

Horsch & Kasten kennzeichnete seine Produkte mit dem Markennamen „Sotu“. Die vier Buchstaben wurden zumeist auf den Verbindungsstiften der Drücker und Oliven und auf der Rückseite der Türschilder eingeschlagen.

 

Sotu-Katalog, um 1930

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